"Dieser Ort schenkt den betreuten Kindern und Jugendlichen ganz viel Lebensfreude und ist damit ein wertvoller Beitrag im von Drogen und Gewalt geprägten Umfeld.
Eine Insel, die Hoffnung schenkt." Birgitt, ehemalige Missionarin in Kolumbien
4. Tag Mehr Geschichten und Infos zum Beusch in Cazucá
„Alle Kinder lernen 3 Instrumente und nach jedem Lied rücken sie einen Platz weiter“ erläutert uns Schwester Ana Carolina, als die Vorführungen in der großen Halle beginnen. Sie sollen mehrere Instrumente lernen, auch damit sie eine Grundlage für eine mögliche berufliche Perspektive haben. „Ein ehemaliger Schüler hat das schon geschafft“, berichtet sie weiter und freut sich, dass das Konzept fruchtet. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet heute an einer Schule als Musiklehrer.
Der Hort in Cazucá hat eine Vormittagsgruppe für die jüngeren Schulkinder und eine Nachmittagsgruppe für die Älteren bis zur 11. Klasse. Den jeweils anderen halben Tag gehen die Kinder zur Schule. Bis vor einigen Jahren stand die Verbesserung der schulischen Leistungen im Vordergrund, doch die Ausrichtung hat sich geändert, jetzt geht es darum, die Talente und Stärken der Kinder zu fördern. Dabei ist es das obere Ziel, den Kindern zu zeigen, dass man glücksein kann. Denn diese Erfahrung, sagen die Schwestern, trage man ein Leben lang in sich und es helfe auch in schweren Situationen.
In den Bereichen Musik, Kunst und Computer können sie Neues ausprobieren und lernen. Drei Tage in der Woche sind so fest verplant, an den anderen beiden entscheiden die Kinder selber, was ihnen gefällt. Wir sehen sie tanzen, singen und bekommen kreative Bastelarbeiten präsentiert, aber kindliche Unbeschwertheit und Stolz sind nur vereinzelt auszumachen und es ist viel Traurigkeit in den Gesichtern zu erkennen.
Szenenwechsel: Kaum betreten wir den ersten der drei Kindergartenräume, werden wir mit einem fröhlichen Lied begrüßt und zum Wechselgesang aufgefordert, auf dem Niveau von 3-jährigen Kindern ist das für uns auch in Spanisch möglich. „Wie geht es euch? - uns geht es gut!“ und nachdem wir es endlich auch laut genug gesungen haben, bekommen wir viel Applaus und als Dankeschön selbstgemalte Herzen umgehängt. Nach anfänglicher Schüchternheit, traut sich der erste Junge aufzustehen und rennt auf mich zu, um mich zu umarmen. Das ist der Startschuss auch für den Rest der Gruppe. Zum Glück ist seit heute unsere Freundin Birgitt dabei. Sie kann nicht nur fließend Spanisch und wir nochmal eine ganz andere Beziehung zu den Kindern aufbauen, sondern sie kann auch kräftig beim Umarmen und Hochheben helfen, damit alle drankommen. Dann stehen drei besonders zierliche Mädchen um uns herum und wir bekommen erzählt, dass sie alle stark unterernährt in den Kindergarten gekommen sind. Nun aber seien alle sehr froh seien zu sehen, wie gut sie sich entwickelt hätten. Ich nehme das kleinste Mädchen in den Arm, leicht wie eine Flocke und so zart, dass ich Angst habe, sie zu zerbrechen, wenn ich sie jetzt auf drei hochhebe. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es vorher war. Es is schön das Mädchen im Arm zu haben und ihr zumindest für einen Moment ganz viel Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken. Sie kommt auch immer wieder zurück für noch eine Portion Zuwendung und bleibt dann einfach auf meinem Schoß sitzen, bis wir gehen müssen.
Wenn man so einen Tag erlebt, weiß man, warum es wichtig ist, die Arbeit der Schwestern hier in Cazucá mit Spenden zu unterstützen. Dieses Angebot ist ein echter Gamechanger für die Kinder und Jugendlichen - Freude haben macht einen großen Unterschied.
Am bevorstehenden Wochenende machen wir zwei Tagesausflüg in Bogotás abwechslungsreiche Umgebung. In den nächsten Tagen schreibe ich noch etwas zu den Lebensumständen, der kleinen Krankenstationen und für welche wertvollen Projekte hier die Spenden eingesetzt wurden.
Am Montag fahren wir dann in die Schule nach Monterredondo.

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