2. Tag in Belen , Hogar Infantil Los Pinos, Kindergarten ab 6 Monate, und Centro Sagrado Corazon, Grundschule bis zur 5. Klasse
Kaum betreten wir den ersten Gruppenraum der Kita, wird noch schnell ein Blick mit der Erzieherin gewechselt und dann stürmen die Kleinen überfallartig auf uns zu, umarmen uns und wollen fest umarmt werden. Vorallem Peter steht hoch im Kurs. "Viele Kinder haben keinen Vater mehr" erklärt uns Schwester Maria del Rocio, wollen auf den Arm genommen werden und schmiegen sich an ihn. Über 30 Kinder sind in der Gruppe der 4-5 Jährigen mit zwei Erziherinnen.
Seit 44 Jahren wird der Kindergarten mit Geldern einer staatlichen Behörde betrieben, dazu gibt es viele Regeln zu beachten und es wird ständig alles kontrolliert bis hin zu dem Essensplan, der für einen Zeitraum von 5 Wochen vorgeschrieben ist und sich dann wiederholt. Den verpflichtenden Plan, der für alle Kindergärten in Bogotá gilt, mussten die Schwestern für 350 Euro von der Behörde kaufen. Verstehen muss man das nicht. Es gibt so viel Bürokratie in Kolumbien, wird uns immer wieder erklärt. Die Kinder in diesem Kindergarten sind besonders bedürftige Kinder, die mit den meist präkären Lebensumständen Unterstützung brauchen. Eine Psychologin besucht dazu regelmäßig die Familien, um die Situation zu beurteilen. Auch deshalb müssen die Kinder einmal im Monat gewogen werden, weil Unterernährung vermieden werden soll. Wo nötig werden die Kinder auch sehr nachhaltig gefüttert.
Musik und Tanz spielt eine große Rolle im Leben der Kinder in Kolumbien. Wir sehen es bei den Einjährigen, die zum Essen Musik vorgespielt bekommen und ganz ruhig werden. Und bei den Schulkindern, die uns als Dankeschön in der Aula mitreißendeTänze und Musikeinlagen mit Flöten und Trommeln vorführen. Sie können stolz zeigen, was sie im Laufe des Schuljahres gelernt haben. Sie alle versprühen dann diese Fröhlichkeit und Leichtigkeit, egal wie schwer ihre Schicksale sind. Ob der Vater verschwunden ist, es zu wenig zu essen gibt, familiäre Gewalt herrscht, man der drogenerkrankten Mutter egal ist und man sich allein gelassen fühlt. Wenn die Kinder dann traurig sind, ermutigen sie die Lehrerinnen neben der psychologischen Hilfe deshalb auch immer, sich auf ihr Talent zu konzentrieren und zu tanzen oder Musik zu machen. Das ist hier Lebensart und Therapie zugleich.
Die Ausstattung der Bibliothek ist hier auch ein Spendenprojekt gewesen, die neuen Bücher sind schon eingetroffen, die kinderrechten Bücherregale und einladenden Sitzgelegeheiten sind bestellt, aber die Lieferung hat sich hinausgezögert, so dass wir erst Anfang Dezember dazu dann Fotos zeigen können. Zum Lesen angeregt haben vorallem solche neuen Bücher wie "Wie erziehe ich meine Eltern" erzählt uns die Schulleiterin Katharina ganz begeistert und holt noch andere lustige, fantasievolle und wissensvermittelnde Bücher aus dem Schrank. Die Kinder zum Lesen zu animieren ist jetzt so viel leichter geworden und die wichtige Lesekompetenz wird so ausgebaut.
Es gäbe hier auch wieder viele weitere Eindrücke und Geschichten zu berichten, aber heute habe ich Kopfweh und Magendruck, ich spüre die Höhe von über 2.600 m Höhe hier in Bogotá zusammen mit den vielen Emotionen.
Morgen geht es nach Cazucá, dem ärmsten Stadtteil im Süden, das wird nochmal ein ganz anderer Schnack, wie wir in Hamburg sagen. "Abschaum der Stadt" wurden sie genannt vor 9 Jahren, mal sehen, ob sich daran etwas geändert hat.
Filme lade ich die Tage noch hoch.






















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Ilka (Freitag, 07 November 2025 17:08)
Vielen Dank, dass Ihr eure Eindrückenteilt. Liebe Grüße aus dem nebeligen Norden